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Das Fazit der Festivalleitung

Dieses Jahr kuratierten Sibylle Omlin (SO) und San Keller (SK) das BONE Festival gemeinsam. Lesen Sie im Interview, was das Leitungsduo erlebt hat und ob es die Zusammenarbeit fortsetzt.

Wie geht es euch nach 5 intensiven Festivaltagen?

SK: Ich bin tiefenentspannt (andere würden dies Müdigkeit nennen), stolz auf die Künstlerinnnen und Künstler, sie haben sich voll auf das Festival eingelassen. Bin zufrieden, doch ich will noch mehr, mehr arbeiten, klarer, präziser, pointierter werden. Aufdringlicher, durchdringender, einfach dringlicher.
SO: Ich bin ein bisschen müde, aber immer noch unter Vollspannung nach dieser intensiven und erlebnisreichen Woche. Zur Zeit sind die Gedanken schon auf die Sitzung vom Montag und auch die Zukunft gerichtet. 

Welcher Moment, Auftritt, Gespräch etc. ist wird euch besonders in Erinnerung bleiben?

SK: Am Dienstagabend vor dem Festivalstart schlenderte ich auf dem Nachhauseweg durch den leeren Kursaal und habe versucht, mir alle Shows gleichzeitig vorzustellen, welche hier über die Bühne gingen. Anschliessend trank ich im Kreissaal einen Whiskey. In Trak 1 am Freitag, als wir alle zu einem Beat einstimmten und A4 Blätter mit verschieden Texten verteilt wurden, hatte ich für einen kurzen Moment das Gefühl, am Puls der Zeit zu sein. Wie Bianca Hisse und Christoph Draeger über Skype ihren Submediterran News Blues performen. Am Samstagabend haben wir uns selbst applaudiert, weil das Publikum irgendwie schon verschwunden war. 
SO: Ich hatte den ersten Track vom Donnerstag besonders intensiv erlebt, vielleicht weil es schon die ersten Wiederholungen gab bei den NEWS-Performern. Mir sind Bilder und starke sprachliche Auftritte in Erinnerungen geblieben: Die Soap Box News von Andrea, das Youtuben mit Frames und Filmen von Darren, das Stottern von Barbara und Christine. Aber auch das Herumschlendern von unserer Pallas Athene Amber im weissen Hemd und Kopfschmuck. Vreni mit ihrem Tanz und den verschiedenen Röcken ist auch ein Bild, das sich mir eingeprägt hat. Balz im Petmate. Ich mochte den Bühnensaal im Schlachthaus vor den Tracks: Die Momente des Zusammensein in stiller Anspannung.

Habt ihr den Eindruck, dass das Thema Newsbody gut umgesetzt wurde?

SK: Vor dem Festival habe ich es so geschrieben: Die Aktualität ist wie die Wurst ein Produkt, welches produziert, angeboten, konsumiert und verdaut werden muss. Der Marktplatz der Aktualität ist seit der Digitalisierung in Bewegung. Die Rituale des News-Konsums haben sich verändert, verlagert und potenziert. Das Geschäft mit den News ist ein nonstop Business. Jetzt würde ich es so sagen: Vakuum ist ein Raum mit weitgehender Abwesenheit von Materie – im Vakuum gibt es keine festen Objekte oder Flüssigkeit, extrem wenig Gas und damit auch einen extrem niedrigen Gasdruck.
SO: Das Performen der News mit den Körpern der Künstler*innen war da, manchmal verbunden mit dem, was wir als News auch sonst wahrnehmen, manchmal mit dem, was wir latente Aktualität nennen. Das Jetzt der News im Festival hatte mit den Körpern und den Bildern von den Körpern zu tun, auch wenn die Körper auf Bühnen, hinter Mischpulten, an Skype-Monitoren und neben Screens standen und sassen. Die Sprache war ein wichtiger Körper-Teil für mich: Dialoge, Reden, Skypen, Tippen, Texten. News ist ein arges Geschäft. Es langweilt mit der Zeit.  Ich hätte dem gerne auch entfliehen wollen. No News ist so eine Aussage von Barbara, die in mir nach dem Festival hängen blieb. 

Was für einen Beitrag konnte die Festivalausgabe 2019 an die aktuelle News-Debatte beitragen?

SK: Die News-Debatte diente uns dazu, für performative Beiträge mit neuen Produktions- und Präsentationsformen zu experimentieren. Yes, dies ist uns voll gelungen, doch es war für alle Beteiligten eine Herausforderung.  
SO: Aktualität produzieren wir alle, laufend, langsam und leise, laut und angry. Mir sind die Beiträge der JournalistInnen am Festival teilweise eingefahren. Als Jetzt und als Erinnerung ans Jetzt. 

Gibt es Dinge, die ihr ein nächstes Mal anders machen würdet?

SK: Unbedingt, wir werden uns nicht wiederholen. 
SO: Ja, klar! Ich möchte eine neue Intensität wiederherstellen, die wir im Festival über 4 Tage halten können. Das ist eine Herausforderung, die immer neu und anders bleibt. 

Wie hat das Berner Publikum mitgemacht?

SK: Das Publikum war da, bewegte sich und liess sich begeistern. Wir sind happy. Ob es Berner, Zürcher oder Berliner waren, ist uns Hans was Heiri. 
SO: Das Publikum hat sich zum Teil auf unser Parallel-Format eingelassen und sich von uns auch berieseln lassen. Zum Teil sah ich auf den Gesichtern und in den Körpern auch stiller Widerstand und Skepsis. Lob, aber auch Kritik habe ich nach den Tracks mitbekommen. Alles in allen: ein vielfältiges Eingehen auf unseren Vorschlag. 

Spannt ihr auch nächstes Jahr wieder als Leitungs-Duo zusammen?

SK: Ja, unbedingt. 
SO: JA!