Schools of... Connectivity - Relatedness - Netzwerke der Performance Kunst

Programm

BONE 18 geht und wird zur Schule. Und im Progr ertönt die Pausenglocke wieder. In der ehemaligen Schule, dem Progr, heute das Zentrum für Kulturproduktion im Herzen von Bern, das weit über die Stadt Bern als eine vibrierende Kunststätte ausstrahlt, und im Schlachthaus Theater – der Name weist darauf hin – das einst Produktionsstätte von Nahrung war.

Schule meint in seiner ursprünglichen Bedeutung „freie Zeit“, „Müssiggang, Nichtstun“, „Musse“, und später dann „Studium“. Daran denkt man in der Regel nicht, wenn man die Schulbank drückt. Frei von den Zwängen des blanken Überlebens, des Jagens und Sammelns, der Nahrungs- und Mittelbeschaffung, bezeichnet also Schule den Moment, wo man sich entspannt auf den Stein gesetzt hat und miteinander ins Gespräch kam, sich bildete – ein Symposium abhielt. Symposium wiederum stand für "gemeinsames, geselliges Trinken". Dabei wurden Netzwerke gespannt und gepflegt.

Netzwerke prägen denn auch wie in kaum einer anderen künstlerischen Szene die Performance Art. Verbundenheit und Bezogenheit sind hier keine leeren Schlagwörter, sondern ergeben sich aus spezifischen Produktionsbedingungen: die Performance Art Szene ist zu einem grossen Teil autonom organisiert, kaum integriert in die grossen institutionellen Einrichtungen und findet abseits vorgespurter Pfade statt.

Nicht nur Netzwerke, auch die Vermittlung, die Schulen und einige „artist’s artists“ sind Schwerpunkte der kommenden Ausgabe. Dabei geht es weniger um einen historischen Rückgriff, auf die Praktiken der 1970er Jahre, als vielmehr um die Fragestellung, wo und wie sich heute die Performance Art zeigt, wie sie vermittelt und gelehrt wird, wo sie denn wirklich als „Kunst der (realen) Handlung“ Wirkung zeigt.
Vorbildhaft, die Lanze brechend, Schule machend: Das sind die Attribute, die einer noch immer als „jung“ beschriebenen „Avantgarde“- Kunstform wie die der Performance Art zugeschrieben werden, obwohl auch diese Disziplin nun in die Jahre kommt.

BONE 18 lenkt den Blick auf verschiedene Formen der Vermittlung, der Lehre, und deren formalen Bedingungen. Was aber passiert, wenn Performance Art gelehrt, institutionalisiert, Kunstmarkt-kompatibel aufbereitet wird? Performance ist längst nicht mehr „Randerscheinung“, „für All die Wenigen“ (Norbert Klassen): Performance Art – die sich immer schon verschiedene Spielstätten und Spielplätze suchte – ist überall und gleichzeitig, in den „Off-Spaces“ wie in den „On-Spaces“ der Kunstinstitutionen und Hochschulen. Keine Kunsthochschule kann es sich mehr leisten, an den Performance-Bildungen vorbei zu schielen.
Das Zentrum für Kulturproduktion, Progr, das Schlachthaus Theater wie auch der öffentliche Raum werden zum Hörsaal und zu Ereignisorten mit multiperspektivischen Blickachsen. Die Strasse, die Schalterhalle einer Bank, die mit Flachbildschirmen bestückten Mediamärkte, Ecken und Kanten dieser Stadt sind potentielle Bildungsstätten für interventionistisch eingerichtete ad-hoc Schulen.

Im Progr wird während BONE mit der „Fluid Academy“ von Jörn J. Burmester eine freie Performanceschule gegründet, während „_buckys classroom“ mit Florian Feigl den akademischen Leitbildern entsprechend eine sicher nicht trockene Wissensvermittlung anbietet. „_try outs“ bieten Platz für Einsichten in die prozessorientierte Praxis der experimentellen Performance Art, und Werkstätten zu politisch-partizipativer Praxis bieten und bilden tagsüber ungewohnte Einsichten in unseren - teils ganz privaten - Alltag. Im Schlachthaus Theater sind mit Black Market International – ein weltweit vernetztes Performance-Kollektiv , das dieses Jahr an BONE sein 30jähriges Jubiläum feiert - renommierte „Altmeister“ der Performance Art wie Alastair MacLennan und Boris Nieslony interludierend zu Gange, mit Jürgen Bogle, Christoph Studer-Harper und Chrieg F (Christine Hasler und Roger Fähndrich) ist die junge „emerging artists“-Generation vertreten.

Valerian Maly
Künstlerischer Leiter