DADA wird 1916 aus der Krise geboren. Wirtschaftskrise und nationalistische politische Bewegungen sorgen für ein Klima der Angst. Traditionelle Kunst scheint angesichts der neuen Schrecken belanglos. Statt sich ein weiteres Utopia zu träumen, verweigert DADA konsequent Sinn und Diskurs. Mit nicht-linearen und anti-narrativen Soireen, Lautgedichten und Aktionen wird DADA eine Keimzelle der Performancekunst. Durch die Rezeption des Anderen und Fremden beschritten die Künstlerinnen und Künstler nicht nur neue ästhetische Wege, sondern erhofften sich dadurch auch eine gesellschaftliche Erneuerung. DADAs revolutionäre Attacken auf den tradierten Kunst- und Kulturbegriff des frühen 20. Jahrhunderts eröffneten schon damals einen „neuen Blick“ auf das Andere.
Vor diesem Hintergrund versteht sich „neoneoDADAfrica!“ nicht zuletzt auch als ein Beitrag zu den aktuellen Diskussionen über den Umgang mit fremden Kulturen. Unfug, den der historische DADA als zentrales Stilmittel einsetzt, ist nicht einfach Quatsch. Das Lachen, das er auslöst, ist nicht entspannend. Es geht „neoneoDADAfrica!“ nicht um Re-Enactments von DADA-Performances. Vielmehr stellt sich heute erneut und vielleicht verschärfter die Frage einer Fundamentalopposition gegen aufklärerische Kunst, die erfahrungsgemäss – auch in den wildesten Formulierungen einer protestierenden Provokation oder in Institutionskritik – sofort kapitalisiert und marktkompatibel vereinnahmt wird. Das erfordert heute, im Zeitalter des „Laissez faire“ und „Everything goes“ und nachdem originäre DADA-Formate wie Collage und Lautgedichte kunstmarktkompatibel kanonisiert sind, vollkommen neue Strategien.
"Africa, performance/live art was a popular art form in the continent. As a matter of fact, African art, which is known to have, contributed immensely to our modern civilization and stands as one of the most different legacies on our earth; lays heavy emphasis on performance/live art. The numerous costumes and superior ancient African art sculptures, especially masks that are in reputable museums, galleries and art institutions all over the world were created for use in performance milieus."
Der Blick auf „das Andere“ schärft den Blick auf „das Eigene“ – was auch immer „das Andere“ und das „Eigene“ sein mag! Denn das Eigene wie das Fremde sind kulturelle Konstruktionen, am deutlichsten veranschaulicht in der Entstehungsgeschichte der „Ländlermusik“: Wo „Ländler“ draufsteht muss nicht Land drin sein. Nicht in Altdorf oder Schwyz, sondern im Zürcher Niederdorf wurden der Sound und die Mythen ums Volk der Alpenhirten konstruiert – in direkter Nachbarschaft zum Cabaret Voltaire, wo die Dadaisten den Aufstand gegen bürgerliche Ideale erprobten. Am kulturell Anderen orientierten sich bereits Künstler wie Picasso, Kirchner oder Nolde. Die Dada-Künstler und Künstlerinnen wie Marcel Janko, Tristan Tzara und Hanna Höch aber suchten nicht exotische Objekte als neue Formen von Plastik, sondern fanden darin vor allem Objekte neuer Formulierungen: als bislang kunstfremd angesehene Materialien wurden in transitorischen Akten angeeignet; das Fremde wurde zum Eigenen gemacht und so das Eigene zum Fremden – mitunter zum Befremdlichen. Dabei ging es jedoch nicht um die Nachbildung oder blosse Adaption von exotischen Elementen, vielmehr wurde durch eine eigentliche „Einverleibung“ eine Transformation angestrebt, mit denen die Grenzen der eigenen Kunst und Sprache gesprengt werden sollten – angeregt durch das Fremde – um so eine neue Bild-, Formen- und vor allem eine neue Sprache des Handelns zu entwickeln.
Wenn Dada als „Urknall der Moderne“ und als Gründungsmythos der Performance gilt, so ist der Blick auf die Performance Art aus Afrika erhellend: „It is indisputable that before the advent of colonialism in an integral part of African visual culture.“ (Jelili Atiku, Kurator AFiRIperFOMA Biennale, Lagos.).
„Ausgerenkte Kräfte / Dislocated Forces“ – so der Titel einer Collage des Dada-Künstlers Kurt Schwitters aus der Sammlung des Kunstmuseum Bern – kann als Leitmotiv der 19. Ausgabe des BONE Performance Art Festival Bern zitiert werden. Mit seinem Werk hilft Schwitters den collagierten Alltagsgegenständen zu einer neuen Bedeutung. Das Bild ist kurz nach Ende des ersten Weltkrieges entstanden, der Krieg hat – wie der Titel sagt – die Kräfte ausgerenkt. Was zuvor als gut, wahr und schön gegolten hat, war suspekt geworden. Schwitters wollte nicht gefallen: „Man kann auch mit Müllabfällen schreien, kaputt war sowieso alles, und es galt aus den Scherben neues zu bauen.“

Valerian Maly, künstlerischer Leiter