Katrina Daschner

Pferdebusen

Katrina Daschner, Otto-Mauer-Preisträgerin wurde 1973 in Hamburg geboren und lebt und arbeitet in Wien. Daschner arbeitet an der Schnittstelle theatraler Handlungen und Bildender Kunst. Bis 2008 trat sie als Musikerin in der Performanceband «SV Damenkraft» oder betrieb mit Johanna Kirsch und Stefanie Seibold den Performance-Space-Salon «Lady Chutney».

Ein gezahnter ovaler Durchgang, Stroboskoplicht, Titeltafel «Pferdebusen», Glitzervorhang – Pferdemähne – Abblende. Auf der Tonspur Pferdegetrampel, im Bild ein Theaterraum, Details aus Glas und Holz, Sesselritzen und Kristallluster, ein erregtes Pferdeauge – Schnitt auf die Anfangsform: Fünf Protagonistinnen durchsteigen im Stechschritt diese Vagina dentata, und damit beginnt die Entfaltung einer sexuell verdichteten Bilderdramaturgie, in der Menschenkörper und Pferdekörper in schöner und seltsamer Art verschmelzen: nackte Hinterteile auf Sattelzeug, Ledermasken bedecken die Gesichter, Pferderosette und Augenaufschlag. Pferdebusen ist der fünfte Teil in einer an Arthur Schnitzlers Traumnovelle angelehnten Serie. Katrina Daschner interessiert am Stoff die Ambiguität von Fiktion und Realität, die Spannung des unausgelebten sexuellen Begehrens des bürgerlichen Ehepaares. Sie dekonstruiert diesen Rahmen in ihrer Entwicklung queerer Begehrensszenarios. Auch in Pferdebusen gelingt der Filmemacherin meisterlich die Inszenierung jener Brüche und Irritationen, die für das Schauen und das Wollen so wesentlich sind, mit subtilem Humor und großartigen menschlichen – und nicht-menschlichen – Darstellerinnen. (Christiane Erharter)